Geht der Staat bankrott?
22. February 2009Die Katastrophenmeldungen überschlagen sich, jeden Tag sind die Zeitungen voll von Milliardenverlusten, Staatsgarantien, Arbeitsplatzsicherung, Zwangsversteigerungen, Pleiten und letztendlich Schuldenbergen. Die Milliarden sind kaum noch zu zählen.
Vor diesem Hintergrund drängt sich immer mehr eine Frage auf, die nur historisch gesehen einen realen Sinn besitzt: geht der Staat pleite?
Die letzten 60 Jahre hat Deutschland in einer wirtschaftlich stabilen Situation gelebt, davor allerdings gab es zweimal de facto einen Staatsbankrott. So ungewöhnlich ist es also auch nicht. Auch andere bekannte Länder, beispielsweise wie aktuell Island, und vor einigen Jahren Argentinien und Ecuador, haben de facto einen Staatsbankrott erlebt.
Ganz nüchtern betrachtet also nichts ungewöhnliches. Und die ersten Anzeichen sprechen durchaus dafür, dass dies kein Szenario ist, dass der Fantasie entspricht, sondern durchaus realistisch ist.
Die Schuldenlast nimmt zu
Rekordhalter in Europa ist Island, wo für das Jahr 2009 die Schuldenlast das Bruttoinlandsprodukt schon deutlich übersteigt. Während dort im Jahr 2008 die Staatsverschuldung mit weniger als 25 % vom Bruttoinlandsprodukt ein ausgezeichneter Wert war, explodierten die Schulden innerhalb eines Jahres. Die führenden großen Länder zeigen zwar keine so dramatische Entwicklung, aber auch hier steigt die Schuldenlast deutlich an. In den USA von 63 % im Jahr 2007 auf 78 % im Jahr 2009, in Deutschland von 65 auf 70 %, Spanien von sechsten 30 auf 47 %.
Vergleichsweise stehen diese Staaten noch gut da. Viele Länder Südeuropas, Griechenland, Bulgarien, die baltischen Staaten Lettland und Litauen und weitere osteuropäische Länder wie Ungarn und Rumänien besitzen schon eine deutlich niedrigere Bonität. Viele von diesen Ländern werden nur noch mit einem B-Rating bewertet, was höhere Zinsen für sie bedeutet. Vor diesem Hintergrund fordern gerade die kleineren Länder, dass Länder wie Deutschland und Frankreich für die Schulden dieser Staaten bürgen würden.
Kann ein Staat pleite gehen
Im Prinzip eine berechtigte Frage, denn der Staat besitzt letztendlich das gesamte Vermögen, was auf seinem Territorium vorhanden ist. Er wäre also durchaus in der Lage, nicht nur die direkt im Staatsbesitz befindlichen Dinge zu verkaufen, sondern auch durch Aneignung die Vermögenswerte der Bevölkerung zu entziehen. Allerdings scheint dieses Szenario eher theoretisch, denn in einer Demokratie wird sich eine Bevölkerung nicht in dieser Form führen lassen.
Realistischer erscheint daher das eher grausames Szenario, dass im Falle von Staatsbankrotten eine generelle weltweite Abwertung zu befürchten steht. Ähnlich wie beim Währungsschnitt nach dem Zweiten Weltkrieg – wahrscheinlich bliebe kein anderer Weg.
Vor diesem Hintergrund steht natürlich die Frage, wie man sich auf eine solche Situation vorbereiten kann. Bargeld, Geldanlagen, Anleihen – alle diese Dinge würden sicherlich verloren gehen. Nimmt man die Erfahrungen der letzten Krisen, so ist eine Investition in Sachanlagen immer noch die beste Option in solcher Fragestellung. Immobilien, Gold, aber auch Aktien stellen letztendlich einen Sachwert da, der zwar an Geldwert verlieren kann, aber in seiner Substanz erhalten bliebe.